MindMag: Wie bist du zur Pferdegestützten Intervention gekommen?

Martina: Der erste Bildungsweg ist die klassische Reitausbildung – das klassische Sportreiten. Der zweite Bildungsweg ist das Lehramtsstudium beziehungsweise die pädagogische Ausbildung. Mittlerweile kombiniere ich das Ganze im Sinne der Tiergestützten Intervention. Natürlich habe ich auch viele Zusatzausbildungen im Bereich Mentaltraining, Integratives Reiten sowie Konfliktmanagement und Kommunikationstraining. Und ich versuche, Lehrerinnen und Lehrer mit Pferdegestütztem Training zu unterstützen.

Martina Zauner mit Pferd

MindMag: Was erfüllt dich an deiner Arbeit besonders?

Martina: Ich glaube, dass ich eine gute Brücke schlagen kann, wenn es um gegenseitiges Verständnis geht. Pferde können uns durchaus dabei helfen, ein besseres Verständnis für sich selbst zu bekommen. Und wenn ich ein besseres Verständnis über mich und meine Person habe, dann kann ich das auch im Außen viel, viel besser leben – ich gehe souveräner durch die Arbeit und durch das Privatleben. Und Souveränität und Klarheit sind gerade im Lehrberuf ganz, ganz wesentlich.

MindMag: Mit welchen Menschen arbeitest du hauptsächlich?

Martina: In erster Linie sind es Lehrkräfte oder Schulleitungen, aber auch Eltern und Kinder – also Menschen im Bildungsbereich. Und natürlich auch Führungskräfte und Teams, weil Pferde einfach ganz geniale Begleiter sind, wenn es um feine Kommunikation geht. Und natürlich arbeite ich auch mit Reiterinnen, Reitern und Pferdebesitzern, die eine vertrauensvollere Basis mit ihrem vierbeinigen Partner erreichen wollen. Prinzipiell sind alle Menschen willkommen, die eine persönliche Weiterentwicklung im Bereich Kommunikation machen möchten.

MindMag: Wie und wo begleitest du deine Klientinnen und Klienten typischerweise?

Martina: Prinzipiell arbeiten wir mit den Pferden auf einem Therapiehof im Helenental in der Nähe von Baden. Dieser Therapiehof hat natürlich auch ausgebildete Therapiepferde – die kennen das Setting mit Menschen, die wenig Pferderfahrung haben. Es ist kein klassischer Reitunterricht in diesem Sinne. In meinem Ansatz versuche ich, verschiedene Methoden zu kombinieren: Methoden aus dem Mentaltraining, aber auch aus dem Konfliktmanagement und der Mediation, um letztendlich für den jeweiligen Menschen den besten Benefit herauszuholen. Wir arbeiten prinzipiell im Einzelsetting, gerne auch in Kleingruppen, also auf workshop-ähnlicher Basis. Wir beginnen mit einem kostenfreien Erstgespräch, meistens telefonisch, um die Situation abzuklären. Das Ziel ist bei der Pferdegestützten Intervention immer, sich selbst zu stärken – den eigenen Selbstwert, die eigene Souveränität, die eigene Handlungsfähigkeit. Und wenn man lernt, 600 Kilo zu bewegen – oder wenn so ein großes Tier einem freiwillig folgt –, dann kann das im sprichwörtlichen Sinn auch einen selbst bewegen.

MindMag: Woran merkt ein Mensch, dass er Unterstützung von dir bräuchte?

Martina: Oft ist es ja so, dass Konflikte oder Missverständnisse in der Kommunikation sehr oft alte, eingefahrene Muster sind. Die belasten dann den Alltag oder gewisse Situationen – zum Beispiel Missverständnisse im Klassenzimmer: Die Lehrkraft hat immer wieder disziplinäre Herausforderungen mit Schülern zu bewältigen. Da kann es durchaus hilfreich sein, wenn man mit Pferden diese Intervention wagt, weil man ganz neue Erkenntnisse bekommt. Und gleichzeitig vermitteln Pferde eine sehr, sehr große innere Ruhe. Man lernt durch das Arbeiten mit dem Pferd, nicht nur zu reagieren, sondern wirklich zu agieren. Und das ist meiner Meinung nach der Schlüssel für Souveränität und Klarheit.

MindMag: Gab es einen Moment in deiner Arbeit, der dich besonders berührt hat?

Martina: Besonders berührend ist es immer, wenn Menschen mit dem Pferd wirklich in Resonanz gehen und auch spüren, dass ihnen das Pferd vollkommen wertfrei und gleichzeitig wertschätzend begegnet. Pferde sind einfach so sensible Wesen, die so viel wahrnehmen, was wir Menschen gar nicht sehen, hören oder spüren können – sie spiegeln wirklich unser Verhalten und auch unsere Geisteshaltung. Da gibt es eine Dame, die schon länger zu mir und den Pferden kommt. Sie ist Volksschullehrerin und merkt immer wieder, dass sie in den letzten eineinhalb Jahren deutlich an Selbstwert dazugewonnen hat – wie sie sich und ihre Arbeit sieht. Sie kann viel selbstwirksamer werden, tritt souveräner in der Klasse auf und kann sich selber gut regulieren. Und wenn sie nach der Einheit weggeht, sagt sie meistens: „Ach, von dir und den Pferden gehe ich immer ganz beschwingt und ganz glücklich nach Hause.“

MindMag: Was überrascht Menschen oft an deiner Arbeit?

Martina: Überraschend finden viele diese Kombination: Kommunikationstraining, Konfliktmanagement und pferdegestützte Intervention beziehungsweise pferdegestütztes Training. Und es ist für viele auch ein Augenöffner, wie groß und trotzdem feinfühlig so ein Pferd sein kann und wie sehr Pferde uns spiegeln. Das ist für die meisten Menschen ein totaler Aha-Effekt.

MindMag: Woran arbeitest du gerade mit besonderer Leidenschaft?

Martina: Mit besonderer Leidenschaft arbeite ich daran, Menschen dort zu begleiten, wo sie meinen, selbst nicht mehr weiterzukommen im Bereich der Kommunikation – wenn es um alte Kommunikationsmuster, um alte Konflikte geht und wenn sie ihre Balance im Leben ein bisschen verloren haben. Gerade wenn es um Lehrerinnen und Lehrer geht, deren Job im Klassenzimmer ja schon sehr herausfordernd ist: Als Lehrer hat man durchaus einen großen Handlungsspielraum, wenn es um die eigene Wirksamkeit geht. Und wenn ich die Beziehung zu mir selber verbessere, kann ich auch mit anderen Menschen bessere Beziehungen führen. Und hierbei ist das Pferd einfach ein genialer Begleiter.

MindMag: Wie, wo und wann kann ich dich finden?

Martina: Du findest mich auf meiner Webseite www.feinekreise.at. Da findest du auch E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Und wenn wir mit den Pferden arbeiten, dann findest du mich im Helenental auf einem Therapiehof. Ich arbeite aber auch viel online. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir dann die Situation und schauen, inwiefern ich dich unterstützen und begleiten darf.